Suzuki e-Vitara
Suzuki e-Vitara

Test Suzuki e-Vitara

Suzuki e-Vitara – erster Fahrtest mit kritischem Blick

Bekannter Name, neues Fahrzeug

Der Suzuki e-Vitara trägt einen vertrauten Modellnamen, hat mit dem bisherigen Vitara aber kaum Gemeinsamkeiten. Der vollelektrische Crossover wirkt kantiger, eckiger und insgesamt moderner. Auch die Abmessungen wachsen in allen Richtungen – neun Zentimeter mehr Länge sprechen eine klare Sprache. Suzuki verabschiedet sich damit sichtbar vom bisherigen Designkurs.

Ein Hersteller im Umbruch

Suzuki hat in Deutschland zuletzt wichtige Modelle verloren – Swift Sport, Jimny und Ignis sind verschwunden, nicht zuletzt wegen strengerer Abgasnormen. Der Marktanteil sank auf 0,8 Prozent. Dennoch zeigt sich der Hersteller optimistisch und plant bis 2030 rund 1,5 Prozent. Der Suzuki e-Vitara soll dabei helfen, aber nicht allein. Drei weitere BEV-Modelle sind angekündigt. Suzuki sieht sich weiterhin als einer der wenigen Anbieter, die bezahlbare Kleinwagen und Allradmodelle liefern.

Preise und Ausstattung – solide, aber nicht ohne Fragezeichen

Der Einstieg beginnt bei 29.990 Euro. Bereits die Basisversion bietet eine verschiebbare Rücksitzbank, neigungsverstellbare Lehnen, Rückfahrkamera und adaptiven Tempomat. Der Allgrip-Allradantrieb startet erst ab 39.490 Euro. Suzuki betont das Preis Alleinstellungsmerkmal – ein Argument, das im Segment tatsächlich selten geworden ist.

Suzuki e-Vitara
Suzuki e-Vitara

Erste Ausfahrt – Verbrauchsanzeige sorgt für Stirnrunzeln

Bei der Testfahrt irritierte eine Maximalanzeige von 30 kWh Verbrauch. Ob Softwarefehler oder Überbleibsel aus Werksfahrten, blieb offen. Die Reichweitenberechnung wirkte dagegen plausibel: Bei knapp vollem Akku wurden rund 320 Kilometer angezeigt. Nach 40 Prozent Verbrauch blieben 200 Kilometer Restreichweite. Für ein Fahrzeug dieser Größe ist das ordentlich, aber nicht außergewöhnlich.

Fahreindruck – synthetisch, aber überraschend agil

Lenkung und Bremse fühlen sich anfangs etwas künstlich an. Dennoch lässt sich der Suzuki e-Vitara auf Landstraßen erstaunlich flott bewegen. Die Allradversion ergänzt eine aktive Cornering Control, die Untersteuern reduziert. Dazu kommen Trail-Modus, simulierte Differenzialsperre und eine etwas ruppige Bergabfahrhilfe. Viel Technik, die im Alltag nicht immer nötig wirkt, aber im Gelände Vorteile bringt.

Assistenzsysteme – angenehm zurückhaltend

Der Geschwindigkeitswarner bleibt dezent, Spurassistent und Tempomat arbeiten unaufdringlich. Suzuki beweist hier Fingerspitzengefühl. Der kleine Wendekreis erleichtert Stadtfahrten ebenso wie leichte Geländeeinsätze. Das Fahrwerk ist eher komfortorientiert, ohne schwammig zu wirken.

Innenraum – funktional, modern, aber nicht perfekt

Das Cockpit wirkt aufgeräumt. Digitalinstrument und Touchscreen bilden eine Einheit, beide mit optionaler Dreifach-Teilung. USB-Anschlüsse vorne und hinten, induktives Laden und Smartphone-Integration sind vorhanden. Die Bedienung gelingt größtenteils intuitiv, auch dank klassischer Tasten für Klima und Lautstärke. Nur die Rekuperation versteckt sich unnötig tief im Menü.

Suzuki e-Vitara
Suzuki e-Vitara

Platzangebot – viel Raum, kleiner Kofferraum

Der Radstand sorgt für großzügige Beinfreiheit im Fond. Unter dem elektrisch verstellbaren Fahrersitz wird es jedoch eng für die Füße. Der Kofferraum fällt mit 238 Litern klein aus. Durch die verschiebbare Rückbank lassen sich 72 Liter gewinnen, bei umgeklappten Lehnen stehen bis zu 1052 Liter bereit.

Antriebe und Laden – zwei Akkus, drei Leistungsstufen

Der Suzuki e-Vitara wird mit 49 oder 61-kWh-Akku angeboten. Die kleine Batterie gibt es nur im Einstiegsmodell mit 106 kW. Die stärkeren Varianten leisten 128 kW, der Allgrip ergänzt eine hintere E-Maschine und kommt auf 135 kW Systemleistung. Schnellladen von 10 auf 80 Prozent soll rund 45 Minuten dauern. AC-Laden mit 11 kW benötigt viereinhalb bis fünfeinhalb Stunden.

Markterwartungen und Kooperation

Suzuki rechnet mit etwa 3000 Zulassungen im ersten Jahr. In Japan wurde der Suzuki e-Vitara bereits zum „Car of the Year“ gewählt. Rund 40 Prozent der Käufer sollen zum Allrad greifen. Interessant: Das Modell wird auch als Urban Cruiser an Toyota geliefert – ein Hinweis darauf, dass Suzuki hier auf eine breitere Plattformstrategie setzt.

Fazit – moderner Schritt, aber nicht ohne Schwächen

Der Suzuki e-Vitara zeigt Mut zum Neuanfang. Viel Technik, ein frisches Design und ein attraktiver Preis sprechen für ihn. Gleichzeitig bleiben Verbrauchsanzeige, Kofferraumgröße und synthetisches Fahrgefühl kritische Punkte. Ein gelungener, aber nicht perfekter Einstieg in Suzukis Elektro-Zukunft. (we/aum)(Fotos: aum)

Technische Daten Suzuki e-Vitara Comfort

Parameter Wert
Länge x Breite x Höhe 4,28 x 1,80 x 1,64 m
Radstand 2,70 m
Antrieb Elektrisch, FWD, feste Übersetzung
Leistung 128 kW / 173 PS
Max. Drehmoment 193 Nm
Höchstgeschwindigkeit 150 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h k. A.
WLTP-Verbrauch 15,1 kWh
Batteriekapazität 61 kWh
Normreichweite 426 km
Max. Ladeleistung ca. 68 kW
Leergewicht / Zuladung 1835 kg / 415 kg
Kofferraumvolumen 238–1052 Liter
Max. Anhängelast 750 kg
Preis 36.490 Euro