Vorstellung Nissan Qashqai

Nissan Qashqai Foto: ar

Vorstellung Nissan Qashqai: Mut zur Lücke

Das Beste aus zwei Welten will Nissan mit dem Qashqai (sprich: Kaschkai) zusammenbringen, also einen echten Crossover zwischen Sport Utility Vehicle (SUV) und Kompaktlimousine anbieten. Dabei lassen die Japaner keinen Zweifel daran, zwischen welchen Wettbewerbern sie ihren Neuen in Europa angesiedelt sehen wollen. Es sind der Toyota RAV 4 sowie der Volkswagen Golf und Golf Plus. Sie messen sich also an den Großen und zeigen Mut zur Lücke, zum Betreten einer noch nicht überfüllten Marktnische.

Nissan Qashqai Foto: 4x4news/autoreporter

Der Nissan Qashquai ist mit 4,31 Meter zehn Zentimeter länger als der Golf und acht Zentimeter kürzer als der RAV 4. Von den Außenmaßen her passt diese Positionierung in der Mitte also. Beim Einstiegspreis für den Qashqai mit dem kleinen Benzinmotor bleibt Nissan knapp unter 20 000 Euro, und der voll ausgestattete Allaradler mit dem großen Dieselmotor liegt bei rund 30 000 Euro – wie Nissan sagt: ausstattungsbereinigt rund drei Prozent unter den Golf-Preisen.

Die Preise liegen als dicht zusammen. Deswegen muss sich das Auto in anderen Disziplinen ins Zeug legen, um Distanz zum Wettbewerb zu erreichen und Begehrlichkeit beim möglichen Interessenten zu wecken. Methode Nummer eins ist der Name, ein Kunstname ohne tiefere Bedeutung, wie Nissan versichert. Nur anders soll er sein.

Methode Nummer zwei ist das in Europa gezeichnete Design. Zur bulligen, senkrechten Geländewagen-Schnauze sowie dem vorderen und hinteren Unterfahrschutz samt den seitlichen Schwellern aus dunklem Kunststoff fügen sich die heute üblichen markanten Sicken längs der ansteigenden hohen Seitenlinie und um die Radhäuser. Mit der Mischung aus dynamischer Härte, weichen Linien und betonten Rundungen ergibt sich ein ungewöhnliches Gesamtbild. Der Qashqai hebt sich damit deutlich ab, zum Beispiel vom nur maskulin gestalteten Chrysler Caliber.

Sein Äußeres wird eine Fangemeinde finden. Muss er auch, denn 15 000 Fahrzeuge will Nissan ab April in Deutschland absetzen. Im nächsten Jahr sollen es 18 000 sein. Das Zwischentief der Marke in Deutschland soll also dank dem Nissan Note und dem Qashqai endlich ein Ende haben.

Bei einem Probegalopp in den Bergen oberhalb Barcelona hatten wir Gelegenheit, den großen Diesel mit zwei Litern Hubraum, 110 kW/ 150 PS und einem maximalen Drehmoment von 320 Newtonmeter (Nm) mit dem Zwei-Liter-Benziner (104 kW/ 140 PS und 196 Nm) in der Spitzenversion „Tekna“ mit Sechs-Gang-Schaltung zu vergleichen. Dabei trieb der Benziner die Frontantriebsversion und der Diesel die Version mit dem automatisch zuschaltenden Allradantrieb an.

Beide Vier-Zylinder-Motoren werden mit dem rund 1,5 Tonnen schweren Fahrzeug gut fertig. Der Benziner schafft den Spurt auf 100 km/h mit Allradantrieb in 10,6 Sekunden, mit Frontantrieb in 10,1 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 190 km/h. Die Fahrleistungen beim Diesel liegen in derselben Größenordnung. Durchschnittlich knapp über acht Liter Super braucht der Benziner auf 100 km, der Diesel braucht weniger als sieben Litern.

Überraschend der große Bereich, bei dem auch der Benziner ein hohes Drehmoment zur Verfügung stellt. Angenehm, das insgesamt niedrige Niveau der Fahrgeräusche. Nur bei niedrigen Drehzahlen bekennt sich der Diesel laut zu seinem Brennverfahren. Aber bis zum Marktstart im April bleibt Nissan ja noch Zeit, die Kapselung des Motors zu verbessern. Das würde das Wohlgefühl für Dieselfahrer wesentlich verbessern.

Aber immerhin ändert das Dieseln nichts an der angenehm hohen Sitzposition auf recht guten Sitzen und dem großzügigen Raumgefühl, das durch ein großes Glasdach noch verbessert wird. Die Armaturen und Bedienelemente geben sich mit ihren alufarbenen Umrandungen elegant bis sportlich. Alles ist gut ablesbar und einfach bedienbar. Dort, wo nur das Aussehen zählt, bescheidet sich Nissan mit Hartplastik. Die übrigen Materialien der Verkleidungen sind hochwertiger, so dass insgesamt ein akzeptabler Qualitätseindruck entsteht, der sich beim Blick auf die Verarbeitung des Innenraums bestätigt.

Die Schaltung lässt sich sehr leicht und schnell durch die Gänge bewegen, so dass auch bei flottem Fahren über kurvenreiche Strecken keine Langeweile aufkommen muss, zumal die Lenkung recht präzis arbeitet und einen anständigen Kontakt zur Straße vermittelt. Die Seitenneigung in schnell gefahrenen Kurven hält sich dank großer Stabilisatoren in Grenzen. Der Qashqai überzeugt mit seiner Fahrwerksabstimmung, die in allen Situationen zivilisiert und komfortabel arbeitet, aber nicht nur als „Bergziege“, sondern besonders als Reiselimousine.

Der Nissan Qashqai empfiehlt sich mit seinem Kofferraum von 410 Litern, der auf mehr als 1500 Liter erweitert werden kann und mit seiner Zuladung zwischen gut 400 Kilogramm und 500 Kilogramm als Fahrzeug für Individualisten aller Couleur mit und ohne Familie. Er wird mit zwei Benzinmotoren (1,6 Liter und 2,0 Liter) und zwei Dieselmotoren (1.5 dCi und 2.0 dCi) und in drei Ausstattungsvarianten (Visis, Acenta und Tekna) angeboten. Außerdem Sechs-Gang-Handschalter stehen für den Zwei-Liter-Benziner auch ein CVT-Getriebe und für den 2.0 dCi einer Sechs-Gang-Automatik zur Wahl. Seine Ausstattung für die aktive du passive Sicherheit entspricht dem Standard seiner Klasse. Es gehört also kein Mut dazu, sich für dieses Nischenfahrzeug zu entscheiden. (4x4news/autoreporter)

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